Ist dir mal aufgefallen, wie leer wir alle sind? Die Gesichter der Menschen. Die Herzen. Die Köpfe. Leer und voll. Voll mit Lügen, ungesagten Worten, unterdrückten Gefühlen. Ich stehe zwischen diesen Menschen, die sich nichts anmerken lassen, deren Gesichter aus Stein sind. Und ich will sie anschreien, schlagen, "Warum versucht ihr alle, so scheiße perfekt zu sein, was bringt euch diese erzwungene Perfektion?" Ich hab längst aufgehört, an so etwas wie "perfekt" zu glauben. Nichts ist perfekt, am wenigsten wir, und das Streben danach ist das, was uns leer und müde macht. Lebensmüde. Herzleer. Kopfverwirrt. Ich stehe zwischen den Menschen, sehe sie und kann sie dennoch nicht sehen. Ich schließe die Augen und lasse mich fallen. Kalter Asphaltboden an meiner Wange, wo sind nur all die guten Jahre hin? Ich bin zu einem der Menschen geworden, die ich immer gehasst habe. Verlogen, gefangen in den eigenen, kranken Gedankenkorridoren, SACKGASSE. Ich weiß nicht mehr, wo und wann und warum das alles angefangen hat. Vielleicht war es wegen des Jungen, damals. Wegen ihm hab ich doch so viel abgenommen. Vielleicht war es wegen den wunderschönen Models auf den Covern der Hochglanzmagazine. Wegen ihnen hab ich mich doch wochenlang von ungesüßtem Tee und Magermilchjoghurt ernährt. Vielleicht war es wegen meinen Eltern. Ich wollte doch, dass sie stolz sind, auf irgendwas. Vielleicht war es auch einfach wegen mir selbst. Weil ich es war, die mir selbst pausenlos eingeredet hatte, ich sei fett, nicht liebenswert, ekelerregend. Es hat schon mit zwölf angefangen, ich wollte nie über 50 Kilo wiegen. Nie. Ich hab mich so sehr gehasst. Ich hab einfach aufgehört normal zu essen. Ich hab angefangen mit hungern, stopfen, kotzen gehen. Jahrelang. Ich wog fast sechzig Kilo. Ich wog fünfzig. Ich wog weit unter fünfzig. Die Welt wurde immer dreckiger, grauer. Ich wurde immer müder, labiler. Leer. Leere. Entleert. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich hasse diese Welt und all diese Menschen, und ich wünsch mir so oft, sie würde einfach mit allem, was auf ihr ist, implodieren. HELLO, I'M ALIVE. Aber es fühlt sich viel zu selten nach leben an. Es ist eher eine traurige Art des Existierens, ich bin einfach da. Überstehe die Tage irgendwie. Bis Freitag ist und ich den Hass in Alkohol ertränken und die Leere mit Rauch füllen kann. Und ich bin immer auf der Suche, nach irgendjemanden, der es wert ist, aber sie sind alle gleich. Sie versprechen so viel, um die Versprechen dann genauso schnell wieder zu brechen. Ich Hure brauch die Ablenkung, brauche irgendwas. Obwohl jeder Morgen danach nur Enttäuschungen bringt. Aber jeder Morgen ist auch ein kleiner Neuanfang, und bei jedem Neuanfang denke ich "dieses Mal mache ich es perfekt, dieses Mal mache ich es perfekt und es wird etwas von Wert sein", aber das ist es nie, und dann fange ich an, es zu hassen, was auch immer es ist, und weil ich wieder Fehler gemacht, wieder nicht perfekt gewesen bin, hasse ich auch mich, wieder, ein Stück mehr, und ich beende dieses Etwas nicht, weil es mit Fehlern keinen Wert hat. Wie sagt man auf tumblr so schön? SAME SHIT, DIFFERENT DAY. Schöne graue Welt, zu groß und zu laut und zu -
Ich stehe zwischen den Menschen. Ich wünschte, ich würde dazugehören. oder mich so fühlen, als würde ich dazugehören. Ich lächle sie an, rede mit ihnen, esse mit ihnen, gehe danach kotzen. Sie sind alle so dumm, ich habe keine Lust mehr, mich mit ihnen abzugeben. Zum Glück war ich nie arrogant. Zum Glück interessiert sich hier niemand für Gefühle, ne, das wär ja schwul. Oder für wahre Gedanken. Ich denke schwarz-weiß und fühle schwarz-weiß und ich schaffe es nicht, anders zu denken und zu fühlen. Ich stehe zwischen den Menschen, und in ihren Augen leuchtet dieses Streben nach Perfektion. In meinen leuchtet es am allerstärksten. Ich weiß, dass ich nicht perfekt sein muss, aber dass ich das weiss und trotzdem das genaue Gegenteil denke und glaube, macht es nur komplizierter, weil sogar mein Denken unperfekt ist. Ich weiß, es ist schwer zu verstehen. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich weiß nicht, wem ich glauben soll. Ich glaube, ich sollte aufhören, diesen ganzen Hass auf meinen Körper zu kompensieren, aber es geht nicht. Ich glaub, ich mach einfach so weiter, stehe zwischen den Menschen, schreie sie lautlos an, schreie mich selbst an, es wird nie jemand merken. Ich bin einfach zu gut.

bin begeistert was für tolle texte du schreiben kannst :)
AntwortenLöschenSo poetisch und wunderbar wahr <3 DU Künstlerseele <3
AntwortenLöschenMal wieder wunderschön <3
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